Ein Blick hinter die Kulissen der texanischen Hinrichtungsexekution sorgt für Groll. Unfähige Anwälte, schlagende Wärter, ein System, das nichts mit Gerechtigkeit zu tun hat. Baldacci packt ein heißes Eisen an. Und verbrennt sich dabei nicht, sondern sorgt dafür, dass die scheinbar gerechte Strafe in Schall und Rauch aufgeht.


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elvin Mars ist ein Glückspilz. Er ist unterwegs zum Hinrichtungsraum, denn heute ist sein letzter Tag. Sein allerletzter Tag. Doch der Häftling mit der Nummer 7-4-7 ahnt noch nicht, während er durch die Last Mile, den Gang zum Hinrichtungsraum, geht, dass sein geplanter Tod durch die Giftspritze im allerletzten Moment abgesagt wird.
Weil jemand anderes den Mord an seinen Eltern gestanden hat.

David Baldacci verpackt ein ernstes Thema in einen spannenden Mainstream-Plot. Tatsächlich gibt es in Texas die meisten Todesurteile und tatsächlich werden in Texas nur 3% der Urteile rückgängig gemacht. Das heißt, 97% der Todesurteile aus erster Instanz bleiben aufrecht. Wie viele unschuldig Verurteilte darunter sind, kann man nur mutmaßen, aber die Zahl dürfte wohl erschreckend hoch sein.

Und auch Melvin Mars hat keine Ruhe. Denn die Hinrichtung ist zwar abgesagt, das heißt in Texas aber nicht, er ist gerettet oder ein freier Mann.

Sein Glück ist, dass Amos Decker durch Zufall von dem Fall hört. Er ist gerade auf dem Weg zum FBI, bei dem er in einer Spezialeinheit arbeiten soll. Er besteht darauf, den Fall Melvin Mars zu untersuchen und die Wahrheit herauszufinden.
Der Fall ist sehr komplex, der Leser hat eine Freude daran, mitzuraten, tiefer zu tauchen. Er scheint unlösbar zu sein, was natürlich die Spannung beim Lesen erhöht.
Natürlich fehlt in einem Baldacci-Thriller die Action nicht. Es wird gesprengt, geschossen, gekidnappt, verfolgt.

Zusätzlich zum spannenden Plot, bei dem herrlich viel mitgerätselt werden darf, ist Amos Decker eine außergewöhnliche Figur. Durch seine Hyperhymesie hat er ein fast perfektes Gedächtnis, das auf dem ersten Blick vielleicht erstrebenswert klingt, auf dem zweiten Blick aber allerhand Probleme mit sich bringt. Aber genau dieses Phänomen macht Decker geheimnisvoll und ungewöhnlich. Und ich finde, Baldacci setzt diese Eigenart wirklich gut um.

Am Ende liest sich der Thriller spannend, ernst, erschreckend, sorgt mit viel Action für rasante Lesestunden, doch hat er auch ein paar kleine Längen in sich, denen es gut getan hätte, ausgemerzt zu werden. Deswegen gibt es von mir für diesen Thriller nicht die höchste Punktezahl, aber ganz knapp darunter. Ein Lesevergnügen ist „Last Mile“ nämlich allemal.

PS: Der Band kann unabhängig vom ersten Band gelesen werden.

Fazit

Faszinierende Hauptfigur trifft auf ernstes Thema: Hinrichtungen in Texas. In Mars Melvins Haut möchte man nicht stecken: Vom aufstrebenden Football-Star zum inhaftierten Todgeweihten. Und das womöglich unschuldig.
Mit viel Action und Tam Tam baut Baldacci eine Geschichte mit Sogwirkung auf. Denn Decker ist durch sein fast perfektes Gedächtnis auf dem ersten Blick zwar im Vorteil, auf dem zweiten Blick aber kämpft er selbst mit sich selbst, seiner Vergangenheit und seinen Charaktereigenschaften. Aber genau das macht Decker zu einer außergewöhnlichen Figur, über die man gerne liest.

Dazu kommt ein schein unlösbarer Fall, der weit in die Vergangenheit führt und auf Rassismus trifft und das noch immer aktuelle Thema der Hinrichtungen in Texas. Ernste Themen, über die man lesen muss.

Nur ein paar Längen, die sich besonders in der zweiten Buchhälfte verstecken, stören ein wenig. Aber insgesamt ist es ein Thriller, den man unbedingt empfehlen und lesen muss.

Actiongeladener Thriller mit ernsten Themen und einer außergewöhnlichen Hauptfigur für unvergessliche Lesestunden.

Bewertung: Gute 4 von 5 Lesebrillen!

David Baldacci: Last Mile
David Baldacci: Last Mile

Bibliografische Angaben:
LAST MILE | DAVID BALDACCI
Erschienen am 30.10.2016 im Heyne Verlag ⇔
Aus dem Amerikanischen
Übersetzer: Uwe Anton, Norbert Jakober
Band 2 der Memory-Man-Reihe
ISBN:
544 Seiten


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