Shortlists wohin man schaut. Und ein paar Katastrophen mehr. Starten wir gemütlich in den Sonntag, mit Debatten und Anregungen und natürlich einen Blick auf die Shortlists der verschiedenen Preise. Guten Morgen!

Inhalt:

Der Deutsche Buchpreis 2017 – die Shortlist ↓
Crime Cologne Award 2017- die Shortlist ↓
Auf in die nächste Blubberrunde! Die Shortlist des #bubla 2017 ↓
Die Shortlist des ZDF-„aspekte“-Literaturpreises 2017 ↓
Die Vorbereitungen für die Frankfurter Buchmesse laufen. Ein Blick hinter die Kulissen. ↓
Katastrophenromane untersuchen Ursache und Wirkung ↓
Was Straßen und Blumen mit Sexismus zu tun haben – der Fall Gomringer↓
Wie das Bildungssystem Kreativität und Künste systematisch aus den Köpfen unserer Kinder tilgt ↓

Nach oben ↑

Der Deutsche Buchpreis 2017 – die Shortlist

Fangen wir gleich mit einem Thema an, das uns noch bis zum 9. Oktober beschäftigen wird: Der Deutsche Buchpreis ⇔. Am Dienstag wurde die Shortlist enthüllt. Zwei Frauen, vier Männer haben es auf die Liste geschafft, darunter zwei österreichische Autoren (Franzobel und Robert Menasse):

  • Gerhard Falkner: Romeo oder Julia (Berlin Verlag)
  • Franzobel: Das Floß der Medusa (Paul Zsolnay Verlag)
  • Thomas Lehr: Schlafende Sonne (Carl Hanser Verlag)
  • Robert Menasse: Die Hauptstadt (Suhrkamp Verlag)
  • Marion Poschmann: Die Kieferninseln (Suhrkamp Verlag)
  • Sasha Marianna Salzmann: Außer sich (Suhrkamp Verlag)

Ich muss zugeben, dass ich heuer ein bisschen ein Buchpreis-Banause bin. Bis auf „Das Floß der Medusa“ von Franzobel interessiert mich nämlich keines der Bücher. Ganz anders sieht es Helmut Böttiger von „Zeit Online“ ⇔. Für ihn ist die aktuelle Shortlist mutig und schillernd und „unterscheidet sich wohltuend von den Listen der vergangenen Jahre“.
Im WDR ⇔ sagt Jury-Sprecherin Katja Gasser zur Shortlist: „Kühnes Denken: Das ist es, was die Texte der Shortlist miteinander verbindet“, denn „die Idee Europas stehe auf dem Spiel“.
Auch Hubert Winkels äußerst sich im Podcast von Deutschlandradio ⇔ zur Shortlist, dass er mit dieser Liste sehr gut leben kann und ist besonders von Sasha Marianna Salzmann mit dem Debüt „Außer sich“ angetan.
Wer Meinungen zu den Büchern der Shortlist sucht, wird bei „Die Buchbloggerin“ ⇔ fündig. Friederike hat nämlich sehr übersichtlich Rezensionen in Blogs und aus dem Feuilleton zu den einzelnen Shortlist-Titeln zusammengestellt.

Wer beim Börsenblatt für seinen Buchpreis-Favoriten abstimmen möchte, kann dies hier ⇔ tun.


Nach oben ↑

Crime Cologne Award 2017- die Shortlist

Ein Preis, der mein Interesse natürlich mehr weckt als der Deutsche Buchpreis, ist der Crime Cologne Award 2017. Auch hier steht die Shortlist fest:

  • Max Annas: Illegal (Rowohlt Verlag)
  • Brigitte Glaser: Bühlerhöhe (List Verlag)
  • Gregor Weber: Asphaltseele (Heyne Hardcore)

Von den drei Shortlist-Titeln habe ich bisher nur „Illegal“ gelesen, der gut ist, den ich aber nicht so gut finde wie die Südafrika-Reihe von Annas. Auch mein Lieblingskritiker Elmar Krekeler ⇔ sieht „Illegal“ von Max Annas „nicht ganz so rasant wie die beiden Vorgänger.“
Im Blog „Der Schneemann“ ⇔ gibt es ein sehr gutes Interview mit Max Annas.

„Bühlerhöhe“ von Birgit Glaser hat eine „authentische zeitgeschichtliche Atmosphäre“ sage nicht ich, sondern Markus Schwering in der Frankfurter Rundschau ⇔, allerdings verpackt in einem gekonnten Unterhaltungsroman.
Wolfgang Tischer vom „Literaturcafe“ ⇔ meint, „Bühlerhöhe“ liest sich „so altbacken, als stamme der Roman selbst noch aus den 50ern.“
Na, den muss ich wohl nicht lesen. 50er sind ja schon lange vorbei.

In „Asphaltseele“ von Gregor Weber habe ich damals nach Erscheinen nur kurz reingelesen. Der Roman machte schon auf den ersten Blick einen besonderen Eindruck, denn die Sprache ist sehr gewöhnungsbedürftig. Solche Bücher sollte man lesen, wenn man Muse dazu hat. Deswegen liegt das Buch hier noch ungelesen herum.
Antje Deistler hat mit Gregor Weber für Deutschlandfunk ⇔ gesprochen. Weber hat „Asphaltseele“ nah am klassischen Noir, dem Hardboiled, angesiedelt. Auch sie hat Webers „schnoddrigen Straßen-Slang“ angesprochen und findet ihn gekonnt.
Natürlich schauen wir noch schnell bei Elmar Krekeler bei Welt.de ⇔ vorbei, der sich beim Lesen des Thrillers wie in einer „Literarturmuckibudi“ gefühlt hat. Also wenn das Buch nur halb so gut ist wie Krekelers Rezension, dann ist es auf alle Fälle eines, das ich lesen muss.

Video zu Gregor Weber beim ARD ⇔ „Gregor Weber – vom Tatortkommisar zum Krimiautor“

Der Sonderpreis ⇔ wird Friedrich Ani „für seine Verdienste um den deutschsprachigen Kriminalroman“ am 22.09.2017 in Köln verliehen. Dann werden wir auch wissen, wer das Rennen für den Hauptpreis macht.


Nach oben ↑

Auf in die nächste Blubberrunde! Die Shortlist des #bubla 2017

Donnerstag ging der Stimmenfang der Buchblogger zu Ende, am Freitag saßen die Jurymitglieder des Buchblog Awards zusammen. Denn alle warteten gespannt auf die Shortlist.

Nanu? Wo ist denn die Jury? Hat wohl kalte Füße bekommen.


Das sieht irgendwie so aus wie „Was haben wir uns da eingebrockt!“ ;-). Okay, oder konzentriert (aber das klingt ja voll seriös und langweilig):

Volle Konzentration beim Sichten der #bubla17 Shortlist in der wunderschönen Residenz des @piperverlag

A post shared by alexander viess (@aviess) on

Dann gegen 15.00 Uhr. Knalleffekt auf Twitter. Tada. Die Shortlist ⇔ ist da! Auch die Jury gratuliert.

14 sind übrig geblieben. Von 400 Bloggern!
Für den Hauptpreis sind nominiert:
– Book Broker
– Brösels Bücherregal
– Die Buchbloggerin
– Kaffeehaussitzer
– Literaturcafé
– pageandme
– Papier und Tintenwelten

Für den Sonderpreis sind nominiert:
– literarischernerd (Instagram-Account)
– Bücherwunder (Vlog)
– BuchGeschichten (Vlog)
– Durch die Gegend (Podcast)
– Goldschrift (Vlog)
– Pierre Petermichl (Facebook-Seite)
– VersTand (Vlog)

Jetzt heißt es wieder warten, die Preisverleihung findet am 13. Oktober 2017 auf der Frankfurter Buchmesse statt.
In der Zwischenzeit beobachte ich das Geblubber über die Shortlist.


Nach oben ↑

Die Shortlist des ZDF-„aspekte“-Literaturpreises 2017

Und noch eine Shortlist. Sechs Debütromane haben die Shortlist ⇔ des ZDF-„aspekte“-Literaturpreises erreicht:

  • Theresia Enzensberger: Blaupause
  • Alina Herbing: Niemand ist bei den Kälbern
  • Juliana Kálnay: Eine kurze Chronik des allmählichen Verschwindens
  • Stephan Lohse: Ein fauler Gott
  • Sasha Marianna Salzmann: Außer sich
  • Takis Würger: Der Club

Die Preisverleihung findet am Donnerstag, 12. Oktober 2017, am ZDF-Stand der Frankfurter Buchmesse statt.


Nach oben ↑

Die Vorbereitungen für die Frankfurter Buchmesse laufen. Ein Blick hinter die Kulissen.

Bei Philip im Blog „Book Walk“ ⇔ gibt es einen Blick hinter die Kulissen der Verlage, die sich fleißig auf die Frankfurter Buchmesse vorbereiten. Bastei Lübbe, der Carlsen Verlag, DroemerKnaur Verlag, Klett-Cotta Verlag und dtv haben Philips Fragen zu den Buchmessenvorbereitungen beantwortet. Reinlesen! Sehr interessant!


Nach oben ↑

Katastrophenromane untersuchen Ursache und Wirkung

Paul Jandl schreibt in der „Neue Zürcher Zeitung“ ⇔: „Wenn die Natur über den Menschen hereinbricht, sucht die Kunst nach Antworten“. Katastrophenliteratur des 21. Jahrhundert hat sich nicht viel verändert. Sie ist nach wie vor „religiös, politisch, sozial“. Sie deutet die Klimaerwärmung, berichtet über Tsunami, versucht der durch Katastrophen aus den Fugen geratenen Welt einen Sinn zu geben.

Kein Wunder, dass ich so gerne Katastrophenromane lese, die ewige Sinnsuche endet wohl erst mit der allerletzten Katastrophe.


Nach oben ↑

Was Straßen und Blumen mit Sexismus zu tun haben – der Fall Gomringer

Mit Blumen sagt man auf hübsche Art und Weise: danke. Meint man. Aber nicht mehr im Jahr 2017! Genau das tat nämlich der Dichter Eugen Gomringer, der 2011 den Poetikpreis der Alice Salomon Hochschule Berlin erhielt. Nur schickte er keinen Blumenstrauß, sondern stellte sein Gedicht „avenidas y flores“ zur Verschönerung einer Außenwand einer Hochschule bereit.
Jetzt haben wir aber 2017. 2017 ist so ein Jahr, in dem anscheinend alles auf eine frauenfeindliche Goldwaage gelegt wird. Und so entbrennt 6 Jahre nach dem Blumengeschenk ohne echte Blumen, also jetzt, ein Streit. Denn manche halten das Gedicht für sexistisch, denn „Frauen würden darin als schöne Musen dargestellt, die dem männlichen Künstler bloß zur Inspiration dienten.“ (Der Tagesspiegel ⇔)
Merke: Schenke niemals Blumen. Schon gar nicht in Gedichtform. Und keinesfalls an Frauen. Und an Männer auch nicht. Gleichberechtigung, ihr wisst schon. Gebt alles mir. Ich habe keine Goldwaage und liebe Blumen und hätte noch eine Hauswand übrig. 🙂

Zu diesem Streit hat sich Regina Neumann im Blog „Reginas Gedankenwelten“ ⇔ sehr emotional geäußert. Liebe Regina, du hast dir mit deinem Text doch eine neue FreundIn gemacht :-).
Auch Welt.de ⇔ berichtete über den Streit der Streithähne (sorry, Streithennen, nein geht ja auch nicht: StreithähnInnen. Jetzt passts. Deutsch wird immer schwieriger. *hier Augen rollen einfügen*)


Nach oben ↑

Wie das Bildungssystem Kreativität und Künste systematisch aus den Köpfen unserer Kinder tilgt

Meg Rosoff appelliert in der „Frankfurter Allgemeine“ ⇔ an das Bildungssystem, dass auch Künste wichtig sind. Wie dumm und kurz das Bildungssystem denkt, erklärt sie etwa in der Mitte des wichtigen Beitrags. Denn ohne Fantasie wäre Wissenschaft undenkbar.
Also lasst den Kindern die Fantasie, damit wir auch morgen noch eine Zukunft haben. Danke.

In diesem Sinne wünsche ich euch einen schönen Sonntag! Lest den Kindern Märchen vor oder genießt ein Buch. Denn: Fantasie braucht die Welt!


Die Leserin

Zeige alle Beiträge

3 Kommentare

Schreibe eine Antwort zu kaisuschreibt Antwort abbrechen

  • Listen, Listen, Listen, ich seh nur noch Listen 😛
    Bis auf die Krimi-Liste, interessieren mich die anderen nicht wirklich. Ich bekomm es mit, auf twitter, aber das wars auch schon. Sie sind für mich keine Bereicherung 🙁

  • Liebe Iris,

    es ist interessant, was du uns so ausbuddelst ;-). Ein wenig erschreckend klingt der Beitrag über die erstickte Kreativität bei Kindern durch das Bildungssystem. Es wird sicher nicht alles so heiß gegessen, wie hier gekocht, aber die Tendenz ist schon traurig.

    Nach Bekanntgabe der Bubla-Shortlist, beruhigt es mich, dass dort ein sehr hochwertig geführter Blog vertreten ist, den ich tatsächlich gern unter den Nominierten sehe. Bei manchen schüttelt es mich leicht, denn ich bekomme leichte Wutausbrüche, wenn es um Klickhascherei geht ;-).

    Viele Grüße

    Anja

    • Hallo Anja,
      bei uns ist das zum Glück noch nicht so. Hier soll sogar gelesen und vorgelesen werden, schon von der Schule und vom Kindergarten aus. Aber: Mein Kleinster ist zehn und geht natürlich noch zur Volksschule. Was ich da gelernt habe: Bei der Buchauswahl wundert es mich nicht, dass viele Kinder keine Bücher mehr mögen. Ich konnte mich zwar mit der Lehrerin einigen, dass wir uns eigene Bücher kaufen und die lesen, aber wenn Kinder auf die Buchauswahl der Schule zurückgreifen müssen, tja, dann: gute Nacht. 🙂 Moralische Langweilerbücher. Wie es aber dann in der höheren Schule aussieht, steht auf einen anderen Blatt. Da ist ja mehr Pauken angesagt als in fremde Welten zu schlüpfen.
      Ich habe bei der BuBla-Shortlist auch aufgeatmet, zwei Blogs sind dabei, die ich wirklich empfehlenswert und gut gemacht und gut geschrieben finde. Als ich diese Klickfangmethoden mitbekommen habe, dachte ich schon: Ui, das geht sich nicht aus für die – in meinen Augen – guten Blogger, weil die da eher so zurückhaltend waren. Aber: ist gut gegangen.
      Danke für deinen Besuch! Liebe Grüße, Iris

Die Leserin - Literarisch kriminell veranlagter Buchblog.

LITERARISCH KRIMINELL VERANLAGT.

Iris aka „Die Leserin“ bloggt hier seit September 2017 über Bücher, Neuerscheinungen, Literaturnews, eReading und SocialReading. Vorwiegend findet ihr hier Rezensionen zu Krimis, Thriller, Dystopien, zwischendurch auch zu zeitgenössischen Romanen und Jugendbüchern.

Blogmotto: Einfach. Gemütlich. Lesen. Und bloggen. 🙂

Mehr über „Die Leserin“ ⇒

Die Leserin liest


Blog via E-Mail abonnieren

Gib deine E-Mail-Adresse an, um diesen Blog zu abonnieren und Benachrichtigungen über neue Beiträge via E-Mail zu erhalten.

%d Bloggern gefällt das: