Das Grauen in allen Spielarten schockiert hier den Leser in diesem knallharten, absolut dreckigen Thriller. Ein Drama, das sich in Island abspielt und mit dem eigentlichen Ende der Geschichte beginnt. Daher ein Lesetipp für anspruchsvolle, hartgesottene Thrillerliebhaber!


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as sich da auf dem Bauernhof, der mitten zwischen Heideland, Moorflächen und Wiesen liegt, abspielt, ist grausam. Erinnert irgendwie ein bisschen an den Arsch der Welt. Aber so richtig. Und im wörtlichen Sinne. Und überhaupt.
Máni beginnt nämlich mit dem Ende der Geschichte. Auf dem Bauernhof. Frida und Melanie stranden in dieser Einöde und weil der Hof verdammt verlassen und verwahrlost aussieht, suchen sie nach den Besitzern. Denn trotz aller Verwahrlosung bellt ein Hund im Haus. Und aushungerte Kühe mit milchauslaufenden Eutern brüllen im Stall. Doch sie finden mehr. Ein Toter, noch einer, … aber nicht irgendwie, denn wie gesagt, das hier ist der Arsch der Welt und an diesem Ort stirbt es sich nicht gleich mal so. Denn hier hat man richtig die Arschkarte gezogen.

Und deswegen gibt es einen Rückblick.

Der Aufbau der Geschichte fordert den Leser. Denn nicht nur die Perspektiven wechseln, die Orte, sondern auch die Zeiten. Das ist gut gemacht, dieses Grauen, das hier auf diesem Bauernhof begonnen hat, nach und nach aufzudecken. Aber Vorsicht: Das hier ist nur für hartgesottene Leser geeignet. Denn es gibt nicht nur keine Verschnaufpause von all dem Grauen, sondern es steigert sich in eine richtig abartige Geschichte, die noch viel abartiger mit den dunkelsten Vorstellungen endet, die man sich ausdenken kann.

Dabei geht es eigentlich um so eine zurückgezogene Familie, die bäuerlich auf dem Land lebt und auf dem ersten Blick einen ganz normalen Anschein macht. So mit Vater, Mutter, zwei Kindern (Junge und Mädchen), ein paar Kühen, einem Stier, einem Hund.
So eine richtige Landidylle halt.
Nur ist diese Idylle purer Schein. Verblendungsschein nach außen. Denn hier geht es eigentlich richtig dreckig zu, wobei ich nicht von Kuhdung rede, sondern von ganz dreckigen, menschlichen, abgrundtiefen Charakterschwächen höchster Güte.

Wie schon gesagt, wechseln die Zeiten, die Orte. Auch in Reykjavik ist es nicht viel besser als da draußen auf dem Lande. Drogen, harte Kerle, die Frauen gefügig machen, mit Drogen, mit Schlägen, eine Stadt, in der man niemanden trauen kann.
Dreck pur. Der ganze Abschaum konzentriert auf ein paar Seiten.

Und dann gibt es da noch einen kleinen Jungen. Wobei, so klein ist er nicht mehr, eher stämmig, eher groß. Dumm, nennt ihn sein Vater, zurückgeblieben seine Mutter, der gar nicht weiß, welche Rolle er in der Geschichte spielt.
Ich kann nur jeden Leser vorwarnen: Abgrundtief böse geht die Geschichte aus! Wobei das noch untertrieben ist.

Mehr will ich gar nicht verraten, denn die Geschichte, das Grauen, entfaltet sich nach und nach. Was am Ende übrig bleibt: ein Schock. Aber auch ein verdammt guter Thriller!

Fazit

Wer es so richtig dreckig, so richtig, richtig böse, so richtig hartgesotten mag, der muss diesen Thriller lesen. Noch böser kann man eine Geschichte nicht erzählen. Noch schmutziger, noch düsterer, noch härter kann man sich keinen Thriller ausdenken.
Auch wenn der Thriller durch den Wechsel der Perspektiven, der Zeiten, der Orte einen gewissen Anspruch an den Leser stellt, wird dieser belohnt. Denn der Thriller hat es in sich. An Grauen kaum zu übertreffen und erschreckenderweise sogar glaubwürdig erzählt.

Hartgesotten, schmutzig, dreckig – ein Must-Read für Thrillerleser der harten Sorte!

Bewertung: 5 von 5 Lesebrillen!

Stefán Máni: Der Stier und das Mädchen
Stefán Máni: Der Stier und das Mädchen

Bibliografische Angaben:
DER STIER UND DAS MÄDCHEN | STEFÁN MÁNI
Erschienen am 14.11.2017 bei Edition M (Amazon) ⇔
Aus dem Isländischen
Übersetzer Karl-Ludwig Wetzig
Einzelband
ASIN: B073WCCSQX
240 Seiten


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Iris aka „Die Leserin“ bloggt hier seit September 2017 über Bücher, Neuerscheinungen, Literaturnews, eReading und SocialReading. Vorwiegend findet ihr hier Rezensionen zu Krimis, Thriller, Dystopien, zwischendurch auch zu zeitgenössischen Romanen und Jugendbüchern.

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